Wimpernschlagfinale in Riem: Ulla Salzgeber holt sich den WDM-Titel

Pferd International München Riem

Ulla Salzgeber in München erfolgreich – Neuseeländer Goodin gewinnt den Großen Preis

Noch Anfang der Woche hatte Dressurqueen Ulla Salzgeber tief gestapelt: „Ich bin froh, dass ich mit meinem Pferd Herzrufs Erbe wieder mitmachen kann“, stellte die 55-jährige Olympiasiegerin aus dem schwäbischen Blonhofen da fest. Dass aus dem „Mitmachen“ dann der Gesamtsieg bei den World Dressage Masters, der teuersten Dressurserie der Welt, mit ihrem Finale bei Pferd International auf der Münchner Olympia-Reitanlage werden würde, konnte die erfahrene Amazone da nicht ahnen. Am Samstag Abend stand fest: Nur ein Prozent trennte die Deutsche vom Schweden Patrick Kittel auf Watermill Scandic, die Entscheidung sollte in der Grand Prix Kür am Sonntag in der NÜRNBERGER Dressurarena fallen. „Diese Nachricht konnte ich überhaupt nicht brauchen, das hat mich ganz nervös gemacht“, so Salzgeber. Doch auf ihren – nach einem Jahr Pause – wieder genesenen Fuchs konnte sich die 55-Jährige voll und ganz verlassen, steuerte ihn auf Platz drei in der Kür und sicherte sich damit den Gesamtsieg. „Ein paar kleine Fehler hatten wir, die verzeihe ich ihm aber gerne, denn so lange trainieren wir ja noch nicht wieder.“ Die goldene Schleife holte sich – wie bereits am Vortag im Grand Prix – die Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfven mit einem meisterhaft vorgestellten Don Auriello, gefolgt von Isabell Werth auf El Santo. „München ist immer ein gutes Pflaster für mich, diese Veranstaltung ist wie mein zweites Zuhause“, so die fünffache Olympiasiegerin aus dem Rheinland.

Bereits am Vormittag war die Qualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal der Dressurreiter im Rahmen eines St. Georg Special über die Bühne gegangen. Hier zeigte Totilas-Reiter Matthias Rath, dass er auch für junge Pferde ein geschicktes Händchen hat. Mit Es Fangars Samba King, dem Pferd seiner Frau, die im Oktober das erste Kind erwartet und deshalb pausiert, gelang dem Hessen der Sieg. Damit hatte er den Fahrschein zum Finale beim Frankfurter Festhallenturnier in der Tasche und muss jetzt wohl die Saisonplanung etwas überdenken. „Eigentlich hatte ich noch einige Qualifikationsorte auf dem Turnierplan stehen, wir hätten nicht gedacht, dass wir so schnell gewinnen würden“, stellte Rath fest, der erst seit wenigen Wochen im Sattel dieses Pferdes sitzt.

Eine junge Niederländerin holte sich den Sieg in der WDM Youth Challenge – Preis der MarburgVodermair GmbH, die ebenfalls in einer Grand Prix Kür ausgetragen wurde. Mit Rex gelang Romy Peijen eine beeindruckende Vorführung, die die Amazone am Ende strahlen ließ: „Bei so einer Veranstaltung und in so einer Arena zu reiten war ein Riesenerlebnis für mich, da hat sich die weite Fahrt hundertprozentig gelohnt“, schwärmte sie. Ganz großen Reitsport gab es am Sonntag auch im Springparcours zu sehen, als es um den Sieg im Großen Preis von Bayern, den Preis des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ging. In zwei Umläufen wurde dieses CSI*** ausgetragen, in der zweiten Runde waren die besten 15 Reiter startberechtigt. Ein Reiter aus Neuseeland war es, der sich schließlich dann die goldene Schleife ersprang. Bruce Goodin, fünfmaliger Olympiateilnehmer, war mit Centina an den Start gegangen, sauste fehlerfrei durch beide Runden und machte die Rechnung am Ende leicht. Auf Platz zwei landete Tomaz Laufer aus Slowenien mit Heart Stealer. Einen hervorragenden dritten Rang im internationalen Feld gab es für den jungen Profi Lawrence Greene, der im Stall Steindl in Thurnsberg beheimatet ist und den bayerischen Staatshengst Arrivederci unter dem Sattel hatte. „Ich habe immer an dieses Pferd geglaubt und das ist heute mein größter Erfolg mit ihm“, freute sich der junge Mann.

In einem Springen der Klasse S** mit Stechen, dem Preis der Erdinger Weißbräu, zeigten vor allem die Aktiven aus Bayern, dass sie international sehr gut mithalten können. Rüdiger Renner (Gut Wiesmath) fegte mit Allina als Schnellster durch den Parcours, legte eine Nullrunde hin und kassierte am Ende den Sieg. Damit verwies er Maximilian Weishaupt (Jettingen) mit Chateau auf Rang zwei.  „Munich – that is a lot of fun“ brachte es Bruce Goodin, der Neuseeländer, am Sonntag Abend auf den Punkt. Volle Tribünen, eine tolle Atmosphäre und rund 60.000 Zuschauer – auch Bernhard Graf von Ballestrem, Geschäftsführer der veranstaltenden Hippo GmbH, konnte am Ende zufrieden sein. „Wir sind von einem Höhepunkt zum nächsten gejagt, das gilt nicht nur für den großen Reitsport, sondern auch für Western, Fahren, Working Equitation und natürlich das Schauprogramm“, zog Ballestrem eine rundweg positive Bilanz.

Quelle: Martina Scheibenpflug
Foto: (c) Maximilian Schreiner

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