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Pferd-International in München

Pferd-International in München

Die Topstars im Sattel locken nach Riem

Morgen geht es los: Vom 30. Mai bis 2. Juni steigt auf der Olympia-Reitanlage in München-Riem Deutschlands größtes Pferdefestival. Vier Tage lang erwartet die veranstaltende Hippo GmbH rund 70.000 Besucher, die auf der 30 Hektar großen Anlage alles rund um die edlen Vierbeiner finden. Dabei steht in der NÜRNBERGER Dressur-Arena höchste Perfektion auf dem Programm: Auf CDI5* Niveau glänzen Weltberühmtheiten mit Dressursport, wie man ihn sonst nur aus Aachen kennt. Die drei ausgeschriebenen, hochkarätigen Prüfungen der Königsdisziplinen – Grand Prix, Grand Prix Spezial und Grand Prix Kür – am Freitag, Samstag und Sonntag haben für Nennungen gesorgt, die staunen lassen. Besonders die Startplätze in den Dressurprüfungen sind heiß begehrt, da Pferd International München neben dem CHIO Aachen das einzige CDI5*-Turnier in Deutschland ausrichtet.

In der NÜRNBERGER Dressur-Arena wird mit Jessica von Bredow-Werndl und Benjamin Werndl das derzeit weltweit wohl bekannteste und erfolgreichste Geschwisterpaar an den Start gehen. Die beiden Dressurspezialisten aus dem oberbayerischen Aubenhausen sind im Viereck kaum zu schlagen und zaubern seit vielen Jahren einen vierbeinigen Champion nach dem anderen aus dem Hut. Beide stehen für richtig feines Reiten und begeistern stets die Zuschauer. Auch Championatsreiterin Dorothee Schneider aus Frankfurt wird sich in München wieder präsentieren.Natürlich darf die weltbeste Dressurreiterin Isabell Werth, seit unzähligen Jahren Stammgast bei Pferd International München, nicht fehlen, wenn es in der Dressurarena um Siege und Schleifen geht. Die 49-Jährige ist eine heiße Anwärterin auf den Sieg in der Grand Prix Kür am Sonntag, die sie in den letzten beiden Jahren für sich entscheiden konnte. Pferdewirtschaftsmeister Hubertus Schmidt, Meggle-Bereiter Matthias Bouten und Nachwuchsstar Lisa-Maria Klössinger ergänzen die Starterlisten im Viereck aufs Beste. Erstmals wird auch Lisa Müller in der 5 * Tour ihr Debüt geben.

Auch auf dem Springplatz ist an den vier Tagen viel los: Der Große Preis von Bayern, der am Sonntagnachmittag als krönender Abschluss auf dem Programm steht, wird wieder in zwei Umläufen ausgetragen. Zudem bieten CSI3*, CSI1*, CSI YH und der CSI Am A+B – Tour Topsport im Parcours. Für die amtierende Weltmeisterin Simone Blum aus Zolling istder Start bei ihrem „Heimturnier“ Ehrensache, ebenso fürEhemann Hans Günther Blum. Die beiden werden die einzigartige Kulisse der Pferd International München nutzen, um ihre Nachwuchspferde vorzustellen und ihnen die Chance zu geben, in den großen Sport hineinzuwachsen.

Auch Vielseitigkeits-Weltmeister und Olympiasieger Michael Jung, der aus dem Baden-Württembergischen Horb anreist und in dieser Saison mit seinen Pferden schon etliche Erfolge im Springsattel feiern konnte, wird auf dem großen Hufeisenplatz um Platzierungen kämpfen. In München feiert er in diesem Jahr Premiere, ebenso wie die schwedische Springreiterin Irma Karlsson. Der Neuseeländer Bruce Goodin, seit Jahren ein gern gesehener Gast bei Pferd International München, wird der Megaveranstaltung auch in diesem Jahr treu bleiben. Mit den bayerischen Reitern Jörne Sprehe und Sophia Schindlbeck haben sich weitere Erfolgsgaranten auf der Olympia-Reitanlage angekündigt. Neben den Höhepunkten in Sachen Pferdesport können sich Besucher bei Pferd International München sämtliche Wünsche rund um die Vierbeiner bei einem Einkaufsbummel durch die Ausstellung auf über 7.000 Quadratmetern Freifläche und 1.400 Quadratmetern Halle erfüllen. Rund 200 Aussteller laden auch in diesem Jahr zum einzigartigen Shoppingvergnügen ein.

„Gewinnen ist Teamwork“

Simone Blum hatte in den letzten beiden Jahren einen geradezu unheimlichen Lauf: Die 30-jährige Springreiterin aus dem oberbayerischen Zolling wollte nach ihren Deutschen Meistertiteln 2016 und 2017 noch eins draufsetzen und das ist ihr auch gelungen. Gemeinsam mit ihrer DSP-Stute Alice ging sie im vergangenen Jahr bei den Weltreiterspielen in Tryon an den Start. Als WM-Newcomerin hatte die bayerische Amazone niemand auf dem Schirm. Doch die nervenstarke Springreiterin überraschte mit fünf fehlerfreien Runden – als einzige Starterin. Damit gelang ihr das Unmögliche: Sie springt bei ihrer ersten Weltmeisterschaft direkt zur goldenen Schleife. Zwar hat die frühere Vielseitigkeitsreiterin, die aus einer absoluten Pferdefamilie kommt, ihre Karriere stetig ausgebaut, doch mit diesem Donnerschlag hatte wohl keiner gerechnet – sie selbst am allerwenigsten.

„Nur durch die perfekte Zusammenarbeit zwischen Tier und Mensch sind große Erfolge möglich“, gibt Simone Blum ihrErfolgskonzept preis. Die Springreiterin weiß: gewinnen ist Teamwork. Seit frühester Kindheit sitzt sie im Sattel. Auf demEichenhof aufgewachsen, gab es für sie „nichts anderes als Reiten“, erinnert sie sich.

Und das ist auch heute noch ihre Passion. „Wenn ich in denStall gehe und das Wiehern, vor allem von Alice, höre, ist für mich der Tag gerettet. Eine gute Verbindung zwischen Mensch und Tier aufzubauen, darauf kommt es an. Der Erfolg zusammen mit dem Tier, das ist etwas ganz Besonderes. Alleinwürde ich das alles nie erreichen”, sagt die Weltmeisterin undergänzt: „Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Mich derKonkurrenz zu stellen, das treibt mich an. Wenn das dann auch funktioniert und man jemanden schlagen kann, dann ist das eingroßer Ansporn. Am Erfolg muss ich aber jeden Tag arbeiten.”

Dass sie weiter auf der Erfolgswelle schwimmt, hat die junge Frau in den letzten Wochen bewiesen. So gewann sie sowohl das Championat als auch die Badenia in Mannheim und setzte mit dem Sieg beim Nationenpreis im französischen La Baule noch eins drauf. Diese unglaubliche Siegesserie hat Simone Blum vor allem ihrer DSP Alice zu verdanken. 7-jährig ist die Fuchsstute zu den Blums in den Stall gekommen, mittlerweile ist sie dort nichtmehr wegzudenken. „An Alice schätze ich besonders ihr großesHerz. Wenn sie einen in ihr Herz geschlossen hat, dann kämpft sie wirklich für einen. Qualität haben sicherlich viele Pferde, aber Alice hat das gewisse Etwas und das Gesamtpaket, das eintalentiertes Pferd zu einem Spitzenpferd macht“, schwärmtSimone.

Neben Alice stehen circa 15 weitere zukünftige Hoffnungsträger auf dem Gut Eichenhof. Die Springreiterin setzt vor allem auf Cool Hill, einen neunjährigen Schimmelwallach, der im letzten Jahr sein Weltcup-Debüt über 1,60 Meter gegeben hat. Ihn wird Simone Blum auch in diesem Jahr auf der Pferd International München vorstellen. Ihr Turnierkalender ist zwar prall gefüllt, doch das Heimturnier in München ist ein alljährlicher Pflichttermin für sie.„Beste Bedingungen für Pferd und Reiter, der phänomenaleGrasplatz und ein pferdebegeistertes Publikum machen Pferd International München jedes Jahr zu einem ganz besonderenEvent“, lobt die Weltmeisterin. In diesem Jahr wollen sie und ihrMann Hansi Blum ihre Nachwuchspferde vor dieser großartigen Kulisse präsentieren.

Premiere: Para-Dressurreiter kämpfen um Deutsche Meistertitel

Wieder einmal steht bei Pferd International München eine Premiere an: In diesem Jahr werden dort zum ersten Mal die Para-Dressurreiter um Deutsche Meistertitel kämpfen. Insgesamt 25 Starter aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich qualifiziert und bereits ihre Nennung eingereicht. Die Para-Dressurreiter werden Süddeutschlands größtes Festival rund ums Pferd somit um eine weitere Disziplin bereichern. Die Geschichte des Dressurreitens für Menschen mit Behinderung reicht nicht weit in die Vergangenheit zurück. 2006 wurde sie offiziell von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) als achte Disziplin aufgenommen und gilt seitdem allen anderen Reitsportdisziplinen gleichgestellt. Die besondere Kommunikation von Pferd und Reiter wird in drei, manchmal sogar vier Prüfungen auf den Prüfstand gestellt: Es gilt sich in Einlauf-, Einzel- und Mannschaftsprüfungen, sowie gegebenenfalls in einer Kür zu behaupten.

Um eine faire Bewertung zu ermöglichen, werden die Disziplinen in fünfsogenannte „Grades“unterteilt, die sich nach der Schwere des Handicaps richten. Die Reiter in Grade I haben die größten körperlichen Einschrän- kungen, deshalb finden die Prüfungen in diesem Grade ausschließlich im Schritt statt. Die Richter achten auf präzise Wege, feine Einwirkung des Reiters und die Losgelassenheit des Pferdes. Grade V hingegen ist mit den Ansprüchen der Klassen L und M im Regelsport vergleichbar. In der Kür dürfen hier auch höhere Lektionen wie 3er Wechsel oder halbe Galopppirouetten gezeigt werden.

Anders als im Regelsport ist es den Reitern jedoch gestattet, notwendige Hilfsmittel an ihren Vierbeinern zu befestigen. Spezialanfertigungen von Sätteln, Steigbügeln und Zügeln, Halteschlaufen und Fixierungen. Für den Zuschauer ist es überaus faszinierend, wie die Reiter einzigartige Methoden entwickeln, um mit ihrem Pferd trotz ihrer körperlichen Behinderung zu kommunizieren. Für das Publikum, das bereits im vergangenen Jahr beeindruckt die Leistungen der Para-Springreiter verfolgte, kündigt sich hier also ein neues sportliches Highlight an. Auch die Springspezialisten unter den Para-Reitern sind in diesem Jahr wieder mit dabei: Pferd International München bedeutet für die Reiter mit Handicap vor großem Publikum zu starten und sich auf der Bühne des internationalen Reitsports mit ihresgleichen zu messen.

Christian Feigl ist einer von ihnen: 2010 ist er erstmals mit einem Leihpferd in Frankreich in einer Para-Springprüfung gestartet, 2018 konnte er bei der Pferd International München beide Prüfungen seines Grades für sich entscheiden. Der Münchner leidet seit seiner Geburt an einer rechtsseitigen Hemiparese – das äußert sich dadurch, dass seine Muskulatur auf dieser Seite schwächer und nicht im selben Maß trainierbar ist, wie die der anderen Seite. Außerdem ist die Feinmotorik betroffen, das heißt eine leichte Spastik führt unter anderem zu einer verkrampften Hand- und Beinhaltung. Sprich feine Zügelhilfen und entsprechende Schenkelhilfen sind schwierig für ihn: Man soll das Pferd ja eigentlich mit den Schenkeln einrahmen, aber das funktioniert bei Christian nicht. Wenn das Pferd rechts am Sprung vorbeiläuft, hat er keine Chance. Somit ist ein zuverlässiges Pferd, das gerne zum Sprung hinzieht, unerlässlich für den Reiter.

„In Deutschland steckt der Para-Springsport noch in denKinderschuhen“, bedauert Feigl. „Das Para-Springen ist perDefinition „keine offizielle Disziplin des Reitsports“ – und zwar weder international noch national. Auf nationaler Ebene sind einige andere Länder da weiter – in Großbritannien beispielsweise ist der Para-Springsport offiziell durch die nationale Föderation anerkannt, da gibt es inzwischen rund ein Dutzend entsprechender Turniere bis hin zu denMeisterschaften, bei denen Reiter aller Disziplinen starten.“ 2013 wurde die „Interessengemeinschaft Springreiten für Menschen mit Handicap“ gegründet, derenGründungsmitglied Christian Feigl ist. „Wir sind dem Veranstalter der Pferd International München für die Möglichkeit, zu starten, sehr dankbar, denn mit großen Starterfeldern oder Sponsoren können wir nicht aufwarten. Bei Pferd International München wird Inklusion gelebt“, soFeigl.

Ticketpreise

Tageskarte für Erwachsene 24,– €

Ermäßigte Tageskarte 18,– €

(Jugendliche 15 – 17 Jahre, Studenten, Rentner, Behinderte, Persönliche Mitglieder der FN – gegen Vorlage ihres Ausweises an der Tageskasse)

Kinderkarte 7,– €

(6 – 14 Jahre)

Familienkarte 50,– €

(2 Erwachsene mit 2 Kindern bis einschl. 14 Jahre)

Dauerkarte 47,– €

(gültig für 1 Erwachsenen an allen 4 Veranstaltungstagen)

VIP-Tickets 160,– €

(gültig für 1 Erwachsenen an 1 Veranstaltungstag)

Karten sind an der Tageskasse erhältlich.

Quelle: Martina Scheibenpflug
Foto: © Ursula Puschak

Michael Czok
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